Zeitzeuge präsentiert Fotodokumentation über den Alltag in der DDR

Für die Schüler der 10. Jahrgangsstufe des St.-Gotthard-Gymnasiums Niederalteich fand am 7. Juli 2015 eine besondere Veranstaltung statt: Siegfried Wittenburg (Geburtsjahrgang 1952) hielt einen Vortrag über das Leben der Menschen in der DDR, das von Unterdrückung und vom tagtäglichen Mangel an einfachen Gebrauchsgütern geprägt war. Frau Michl von der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit München hatte diese Veranstaltung dankenswerterweise ermöglicht.

Die Belastungen, denen die Menschen in der DDR ausgesetzt waren, zeigte Herr Wittenburg an seiner eigenen Biographie, die er mit einer großen Zahl von Fotos veranschaulichte. So war sein erster Schultag nicht geprägt vom Inhalt der Schultüte, sondern von der Flucht seines älteren Bruders in den Westen eine Woche vorher.

Sein Vater, von Beruf Maurer – eigentlich die Basis des „Arbeiter- und Bauernstaates" – stand dem System eher skeptisch gegenüber, und so wurde Siegfried Wittenburg kein Mitglied der jungen Pioniere, bei denen die Kinder im Sinn des sozialistischen Staates beeinflusst wurden. Ohne der Mitgliedschaft bei den Jungen Pionieren bzw. der FDJ war ein beruflicher Aufstieg nicht möglich. Wittenburg machte dies am Beispiel seiner Schwägerin deutlich, der aus diesem Grund trotz bester Noten eine Karriere verwehrt wurde. Sie flüchtete später in den Westen.

Die Menschen in der DDR litten auch unter dem Gefühl, eingesperrt zu sein, weil Reisen in den Westen verboten und auch innerhalb des Ostblocks nicht so leicht möglich waren. So war Wittenburg froh, als er eine Wanderwoche in Budweis bzw. im Böhmerwald in der damaligen Tschechoslowakei machen konnte. Allerdings wurde er auch dort mit der bedrückenden Situation konfrontiert: Als er und seine Frau der tschechisch-österreichischen Grenze zu nahe kamen, wurden sie festgenommen und acht Stunden lang verhört, ehe sie wieder freigelassen wurden.

In den 1980er Jahren war Wittenburg in der DDR als Fotograf unterwegs und dokumentierte den Verfall der Städte, die leeren Geschäfte und die sich zuspitzende Versorgungskrise. Dabei geriet er immer mehr in Konflikt mit der Staatsgewalt. In der friedlichen Revolution 1989 beteiligte er sich am Protest auf den Straßen in Rostock – zusammen mit dem damaligen Pfarrer und heutigen Bundespräsidenten Joachim Gauck.

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