Die Vernunft scheint überrollt von der Gier
Musicalfahrt zu Tanz der Vampire nach Wien der Mentoren und Tutoren

Nasskalt und still war der Samstagmorgen am Busparkplatz in Niederalteich. 30 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums standen im Finstern, nur schemenhaft erleuchtet vom Neonlicht der Straßenlaterne. Sie machten sich auf den Weg nach Transsilvanien und hofften, vom Zauber des Grafen von Krolock gefangen genommen zu werden.

Transsilvanien lag in diesem Fall in Wien, im Ronacher-Theater. Dort wird derzeit das Kultmusical Tanz der Vampire aufgeführt, das anlässlich des 20-jährigen Jubiläums nach Wien an seinen Uraufführungsort zurückkehrte. Den Autoren Michael Kunze und Rock-Größe Jim Steinman ist es gelungen, eine perfekte Mischung aus packenden Rockballaden, umwerfender Komik, fulminanten Tanzszenen und opulenter Ausstattung zu kreieren.

Bevor die Mentoren und Tutoren, für die die Fahrt bestimmt war, in die Welt der Vampire eintauchten, durften sie einen Blick hinter die Kulissen werfen. Bei einer Backstage-Führung waren die Schüler auf und hinter der Bühne, durften Maske und Garderobe besuchen und erhielten auch einen Einblick in die Technikzentrale unter der Bühne.

Die Rockballaden und die Geschichte um den Grafen von Krolock entführten die Schüler schließlich in die Welt der Vampire, in die Unsterblichkeit. Das Musical beschreibt die Sehnsucht des Menschen nach dem für ihn Unerreichbaren. Beantwortet wird die Frage nach dem Woher der Sehnsucht mit der unstillbaren Gier des Menschen.

Im Musical ist es Graf von Krolock, ein Vampir, der die Sehnsucht der jungen Sarah nach Freiheit kennt und sie in sein Schloss lockt. Auf der Suche nach Vampiren war zuvor der kauzige Forscher Professor Abronsius nach Transsilvanien gekommen, mit dem Ziel, die Existenz von Vampiren zu beweisen - und sie zu töten. Sein junger Assistent Alfred verliebt sich dabei in die Wirtstochter Sarah.

Humorvoll erzählt und grandios inszeniert entfaltet sich in diesem großen Musical-Klassiker eine gruselig-schöne Geschichte, die ihren Höhepunkt auf dem Mitternachtsball im Schloss des Vampirgrafen findet. Dabei gibt er seiner Sehnsucht nach Blut nach, die er selbst als Gier bezeichnet. Krolock erweckt die anderen Vampire, die, in Erkenntnis ihrer eigenen Verdammnis und dem Bewusstsein, ihre Sehnsucht, die Gier nach Blut, nie ganz stillen zu können, konstatieren: „Gott ist tot. Nach ihm wird nicht mehr gesucht.“ Alle Vernunft scheint überrollt von der Gier der Menschen. Vielschichtig ist die Thematik des Musicals. Zentral sind jedoch die Suche nach dem richtigen Weg im Leben, nach Erfüllung der Hoffnung und die Stillung der Sehnsüchte des Menschen. „Bevor noch das nächste Jahrtausend beginnt, ist der einzige Gott, dem jeder dient, die unstillbare Gier“ prophezeit Graf von Krolock dem Publikum.

Die Thematik um den Grafen von Krolock und den Vampiren hat sogar Eingang in ein Lehrbuch für katholische Religionslehre in Bayern gefunden. Verneinung oder Bejahung der Existenz Gottes in der Gegenwart? In dieser Spannung stehen auch Schüler in ihren Erfahrungen und Meinungen. Das Musical bietet den Rahmen, über Gott und dessen Existenz nachzudenken.

Abgerundet wurde der Tag um das Stück im Ronacher vom gemeinsamen Mittagessen und Freizeit in der Innenstadt von Wien.
Als die Schüler wieder nach Niederalteich kamen war es wieder Nacht und der Nieselregen hatte wieder eingesetzt. Die Fragen nach Sinn und Ziel im Leben waren zwar noch nicht beantwortet - doch jetzt hallten die Rockballaden durch die Nacht.

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