Einweihung des Lernateliers am St.-Gotthard-Gymnasium

Dass es nach dem Hochwasser in Niederalteich Jahre dauern würde, bis die ursprüngliche Raumkapazität des St.-Gotthard-Gymnasiums wiederhergestellt ist, hätte keiner gedacht. Im letzten Jahr wurden die Ersatzbauten fertiggestellt. Neben dem Musiktrakt, der über dem Haupteingang als Gebäuderiegel schwebt, ist der neue Osttrakt als markanter Langbau ausgebildet, der von der Oheseite her durch die vielfach durchbrochene Fassade auffällt. An einem Ende läuft der Trakt in langen Fensterfronten aus. Dort befindet sich das sogenannte Lernatelier, das entsprechend lichtdurchflutet ist. Innen wird es gegliedert durch schlanke Betonsäulen und gläserne Lernräume.

Am 7. April 2022 wurde das Lernatelier schließlich von Abt Dr. Marianus Bieber eingeweiht. Schulleiter Johann Lummer begrüßte zum Festakt hochrangige Vertreter des Malteser Hilfsdienstes, der mit einer eigenen Abteilung für Hochwasserhilfe in betroffenen Gebieten Unterstützung leistet. Anwesend waren der Diözesanleiter des Malteser Hilfsdiensts der Diözese Passau, Max-Georg Graf Arco aus Valley, die Leiterin der Hochwasserhilfe der Malteser, Alexandra Bengler und der stellvertretende Diözesangeschäftsführer Werner Kloiber. Mit einer hohen Spendenleistung der Malteser wurde im Rahmen der Hochwasserhilfe die Ausstattung des Lernateliers ermöglicht.

Abt Marianus wies in seiner Rede darauf hin, dass die benediktinische Lebensform im Beten, Arbeiten und Studieren den Schwerpunkt bildet. Die mittelalterlichen Wurzeln des Malteser Hilfsdiensts im Sinn einer vita activa äußern sich dagegen in der tatkräftigen Unterstützung Bedürftiger, die im Leitspruch der Malteser verankert ist. Dass diese Hilfe in einer farbenfrohen, variierbaren und variantenreichen Möblierung des Lernateliers Ausdruck gefunden hat, passt gut zum Motto des Raums.

Ein Atelier bezeichnet ursprünglich eine künstlerische Werkstatt, einen hellen Raum, der für kreative Arbeit vor allem im bildnerischen Bereich steht. Insofern ist der Begriff „Lernatelier“ auf den ersten Blick missverständlich. Unter „Lernen“ im herkömmlichen Sinn versteht man Pauken, Eintrichtern, auswendiges Exerzieren. Moderne Pädagogik definiert Wissenserwerb hingegen als das Ergebnis von vernetztem Lernen, das sich aus dem Verstehen, Kombinieren und Nachvollziehen von Sachverhalten ergibt. In diesem Verständnis ist der Begriff des Lernateliers dann durchaus eine aktuelle Deutung des Lernens in einem lichten Raum, der weitläufiges Denken fördert und der durch ein wandelbares Mobiliar das Andersdenken von Lernstrukturen ermöglicht.

Der Festakt wurde musikalisch umrahmt von Schülerinnen und Schülern der Q12. Ebenfalls wurde in diesem Rahmen das Projekt „Erzählungen. Print. Punkt“ des P-Seminars präsentiert, bei dem ehemalige Klosterschüler und Präfekten interviewt und die Ergebnisse crossmedial aufbereitet wurden. Als besondere Würdigung überreichte Schulleiter Johann Lummer Frau Bengler die Glasmedaille des St.-Gotthard-Gymnasiums.