„Balsam für die Seele der Schulgemeinschaft“

Neustart der musikalischen Konzertveranstaltungen am St.-Gotthard-Gymnasium

Empfinden, Spüren, sinnliches Erleben. Die elementare Schulausbildung setzt bei der Körpererfahrung an im Sinn von Bildung und Erziehung. Viele Fächer werden mit dem Lernfortschritt dann zunehmend abstrakt und es bleiben drei übrig, die an allgemeinbildenden Schulen die Verbindung von Wissenserwerb und Sinneserfahrung besonders repräsentieren: Kunst, Sport und Musik. Seit März 2020 hat es davon die Schulmusik besonders schwer, ihren sinnlich-praktischen Anteil zur Geltung zu bringen. Umso wichtiger erscheint es jetzt, den Faden, der zwei Jahre ruhen musste, wiederaufzunehmen und die Stärke und die Bedeutung des Musischen und Musikalischen an den Schulen zu betonen.

Am St.-Gotthard-Gymnasium konnte während der ganzen Zeit immerhin der Instrumentalunterricht weitergeführt werden, weil er im Rahmen des musischen Profils als Pflichtfach gilt. Die Ensembles probten unter eingeschränkten Bedingungen. Chöre und Bläserensembles mussten in langen Phasen ihre Arbeit hingegen völlig einstellen. Jetzt machen sich die fünfzehn Musiklehrkräfte am Haus daran, wieder Aktivitäten zu planen. Die breite Palette an Instrumenten, die im Musischen erlernt werden können und Streicher, Bläser, Schlagwerk und Tasteninstrumente umfasst, werden im Gotthardkonzert am 6. April in der Basilika vorgestellt. Beim Instrumentenschnuppertag am 7. April haben angehende Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, die Instrumentallehrkräfte zu besuchen und Instrumente auszuprobieren. Die vielfältige Chorarbeit an der Schule steht noch unter der Vorgabe von 2-Meter-Abstandsregeln. Aber auch dort spürt man die Aufbruchsstimmung und die Lust der Jugendlichen, sich stimmlich auszuprobieren und zu zeigen.

Die stärkste Transformation hat dabei das Ensemble der Pueri Cantores durchgemacht. Der Knabenchor der Abtei präsentiert sich jetzt als gemischtes Ensemble, das aus stimmbegabten Schülerinnen und Schülern der Klassen 5-8 besteht und fortan unter dem Namen „Iuvenes Cantores“ firmiert. Als erster Auftritt und Startschuss für den Chor ist die musikalische Gestaltung der Gründonnerstagsliturgie in der Basilika Niederalteich angesetzt. Ein starkes Signal für die Verbundenheit der Schule mit den Ehemaligen gibt dann am 16. Juli die Aufführung der Carmina Burana von Carl Orff mit einer großen, generationsübergreifenden Chorgruppe, in der die Ensembles der Schule sowie Absolventen und Freunde des Gymnasiums integriert sind. Die Erwachsenen-Proben finden Mittwochabends statt. Ein Einstieg ist noch jederzeit möglich.

Dass das Musische in Niederalteich weit über die Schulzeit hinauswirkt, demonstriert die Gestaltung der Kar- und Ostertage in Niederalteich durch Ehemalige. Sie gipfelt in diesem Jahr in der Aufführung des Oratoriums „Messiah“ von Georg Friedrich Händel am 1. Mai in der Basilika.

Der Wert der musikalischen Bildung als sinnlich-menschliche Erziehung steht im musischen Profil besonders im Blickpunkt und verknüpft sich in besonderer Weise mit den Fächern Kunst und Sport. Dabei reiht sich das Musische aber ein in den Verbund der anderen Fächer, die, wie grundsätzlich an allgemeinbildenden Schulen, mit gleichem Anspruch und gleichem Lernziel unterrichtet werden. Dementsprechend sind die Studienfächer, welche die Schülerinnen und Schüler aus dem Musischen wählen, im technisch-mathematischen, sprachlichen, juristischen, medizinischen, wirtschaftlichen und pädagogischen Bereich angesiedelt, wie in anderen Profilen auch.

Ein-Blick in den Donau-Anzeiger vom 21. März 2022