Weihnachtskonzert des St.-Gotthard-Gymnasiums – Videos als Klangräume

Das Weihnachtskonzert des St.-Gotthard-Gymnasiums bietet mit der Basilika Niederalteich eine besondere Kulisse. Die unter Abt Joscio Hamberger barockisierte Kirche weist mit den Galerien, den Durchbrüchen und Bogengängen zahlreiche zum Musizieren geeignete Räume auf. Zum zweiten Mal muss das Konzert nun pandemiebedingt ausfallen und damit das alljährliche Raum-Klang-Ereignis.

Die schon im letzten Jahr aufgegriffene Idee musikalischer Weihnachtsgrüße wurde darum weitergesponnen. Unter den Möglichkeiten der Hygienebestimmungen setzten die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums das Konzept, die Basilika als Raum akustisch erlebbar zu machen, in Videos um. Wenn auch die Bestimmungen für Schulen das Singen im Chor zurzeit nicht ermöglichen, bleiben im musischen Profil die vielen Solistinnen und Solisten, die während des Onlineunterrichts durchgehend von ihren Lehrerinnen und Lehrern betreut wurden und sich dementsprechend weiterentwickelt haben. In einer zweitägigen Aufnahmesitzung wurden im Salettl und in der Basilika die Videos gedreht.

Dabei traten die Kleinen aus der 5. Klasse mit kurzen, überschaubaren Stücken ebenso an wie Oberstufenschülerinnen und Schüler, die konzertreife Werke einspielten. Insgesamt sind so fünf Videos von ungefähr 20 Minuten Dauer entstanden, die in der Staffelung nach Jahrgangsstufen eindrucksvoll den Fortschritt der Ausdrucksfähigkeit demonstrieren, aber auch zeigen, wie geschickt bereits die Kinder in der Unter- und Mittelstufe musizieren.  Bernhard Falk zeichnete dabei für die Gesamtplanung verantwortlich. Die Aufnahmen besorgte Alfred Hüttinger, den Schnitt und die Beschriftung Alexander Gsödl und Stefan Binder. Jedem Video ist ein kurzer Weihnachtsgruß des Schulleiters Johann Lummer vorangestellt. Die 6b steuerte unter Kunstlehrerin Katharina Naimer geometrische Körperformationen bei und bildet damit einen abstrakten Kontrapunkt zur Bildkraft des barocken Innenraums. Was die Aufnahmephase nahe an die Konzertatmosphäre rückte, war die Aufregung, die alle spürten, sobald die Klappe fiel: Markus, die erste - Alina, die dritte - Pia die zweite.

Während die Anspannung im Normalfall durch die Anwesenheit eines großen Auditoriums bedingt ist, genügte hier die Videokamera als Auslöser für das Lampenfieber. Dabei - darüber war sich das Organisationsteam der Schulmusiker des Hauses einig - sollte das Ergebnis kein Leistungswettbewerb sein. Man sollte die Konzentration und das Ringen um das Gelingen ruhig spüren, und auch der eine oder andere nicht getroffene Ton sollte nicht stören. Im Gegenteil. Das Instrumentalspiel muss in erster Linie eine körperlich-sinnliche Erfahrung sein und wenn daraus Meisterhaftes entsteht, ist es gut. Aber in der Allgemeinpädagogik ist es nicht das Ziel. Die Videos bieten insofern einen aufschlussreichen Querschnitt der Spannbreite der Solistenaktivität am St.-Gotthard-Gymnasium, ihrer Vielfalt und Qualität. Als Ensembles treten das Streichorchester und die Volksmusikgruppe mit Solosängerinnen auf. Dazu gesellt sich das Bläserensemble mit einer Aufnahme vom Anfang des Schuljahres.

Atmosphärische Sequenzen aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen während und zwischen den Stücken immer wieder die faszinierende Vielgestaltigkeit der Klosterkirche, die sich, egal aus welcher Perspektive, immer fotogen präsentiert. Im Mittelpunkt steht dabei die Freskenfolge in der Galerie im Chorraum des nördlichen Seitenschiffs. Dort hat der Maler Andreas Heindl eine vitale Darstellung von Verkündigung, Geburt und Anbetung der Könige geliefert, die das geistige Zentrum des Weihnachtsfests bilden. Im Hin und Her zwischen Interpreten, Raum, Gemälde und abstrakten Körperfiguren der Klasse 6b entsteht ein anmutiger Bildfluss, der zusammen mit der Musik die Atmosphäre zu zaubern vermag, die in Niederalteich nun doch alljährlich ein besonderes Weihnachtsgefühl hervorbringt.

Mit dem letzten Beitrag im fünften Video setzt die Volksmusikgruppe ein Fragezeichen hinter die Weihnachtsidylle. Das Saxophon fährt dort atonal tönend in das selige Wiegenlied „Jesulein, schöns Kindelein“ hinein, als wollte es wachrütteln und fragen, was es mit der Geburt im Stall nun eigentlich auf sich hat.

Zu finden sind die Videos über die Startseite unserer Homepage bei "Aktuelles". Oder auch in der Rubrik "Schule in Bildern". Viel Vergnügen.