Hybridunterricht, Essen im Schichtbetrieb und Förderunterricht – Corona fordert kreative Lösungen

St.-Gotthard-Gymnasium: Schulbetrieb am Ganztagsgymnasium im Pandemiegeschehen

„5,4,3,2,1 – Aufnahme!“ Man kommt sich vor wie in einem Filmstudio, so professionell nehmen die Schülerinnen und Schüler der 8a in ihrem Klassenzimmer kleine, vorbereitete Szenen auf. Sogar einen hellen Strahler und eine Filmklappe gibt es. Religionsunterricht in Coronazeiten. Die Klasse bereitet eine Morgenbesinnung für die Adventzeit vor. Sonst sind diese sehr gefragt. Dicht an dicht drängen sich da in der Adventszeit morgens vor dem Unterricht die Schüler in der Neuen Aula. In der Pandemie verbietet sich eine solche Veranstaltung selbstredend. Deswegen sollen nun kleine, besinnliche Einheiten aufgezeichnet und dann über „Teams“ den Klassen für eine kurze Adventeinstimmung in jeder Adventwoche zur Verfügung gestellt werden.

Die Religionslehrerin der Klasse, Julia Praßer, führt in der 8a die Regie – von zu Hause aus, denn sie ist schwanger und darf wegen der Infektionsgefahr die Schule nicht mehr betreten. Seit Oktober hat die Klasse daher sogenannten „Hybridunterricht“. Julia Praßer unterrichtet ihre Schüler online im Homeoffice, Bettina Fischl unterstützt sie dabei als Teamlehrkraft im Klassenzimmer vor Ort in Niederalteich. Es funktioniert gut. Frau Praßer hat die Klasse trotzdem im Griff, der Laptop auf dem Lehrerpult steht so, dass sie die Schülerinnen und Schüler im Blick hat. Ein paar Klassenzimmer weiter unterrichtet ihre Kollegin Katharina Hatzl in einer 6. Klasse Englisch, auch von zu Hause aus. Die Digitalisierung ermöglicht es, die strengen Regeln, die für die Beschäftigung von Schwangeren in Coronazeiten gelten, zu kompensieren.

Das St.-Gotthard-Gymnasium ist gut gerüstet, wenn es wieder zum Distanzunterricht kommen sollte, dem pflichten auch die Schüler gerne bei. Momentan sind sie allerdings froh, gemeinsam und in der Schule lernen zu können. Mit Masken, Lüften und Abstand ist das durchaus eine Leistung an dem Gymnasium, das für sein Ganztagskonzept in der Region bekannt ist. Aber fast jeder zweite Schüler gibt an, sich an die Maske bereits gewöhnt zu haben, die meisten anderen nehmen sie als notwendiges Übel gerne in Kauf. Hier merkt man, dass ein guter Gemeinschaftsgeist an der Schule herrscht. Jeder will durch Einhalten der Regeln dazu beitragen, dass der Präsenzunterricht so lange wie möglich aufrechterhalten werden kann. Die Schüler haben Respekt und Anerkennung für die Maßnahmen der Schulleitung, die im Haus Schülerströme leiten, den Instrumentalunterricht ermöglichen und den Ganztag gewährleisten sollen.

Um 11.00 Uhr wird es lebendig im Mauritiushof des Klosters Niederalteich, denn hier befindet sich der Zugang zur Schulmensa des St-Gotthard-Gymnasiums. Nach der ersten Tageshälfte tut es gut, endlich beim Mittagessen die Maske einmal ablegen und frei durchatmen zu können. Damit das geht, haben sich Schulleiter Johann Lummer und Prior Frater Vinzenz Proß OSB ein ausgeklügeltes System ausgedacht: In sieben Schichten von 11.05 – 13.30 Uhr kommen die Schüler zum Essen. Hier gibt es zwar eine geringere Auswahl an Speisen als zu Nicht-Corona-Zeiten, aber das abwechslungsreiche Essen ist nicht weniger schmackhaft als früher, für jede Schicht vom Küchenteam frisch vorbereitet und natürlich gesund. In den drei Speiseräumen sitzen die Schüler einzeln oder mit Abstand zu zweit einander gegenüber und nach Lerngruppen geordnet. Trotzdem entsteht eine lockere Atmosphäre, Gespräche kommen in Gang – und das Essen schmeckt. Während sich im Hof schon die nächste Gruppe sammelt, müssen in den Speiseräumen vom Serviceteam die Tische abgewischt und desinfiziert, Salat und Nachspeisen von neuem portioniert werden, Besteck und Teller von den Damen in der Spülküche gründlich gespült werden. Draußen nutzen alle die Zeit zur Bewegung im Freien, auch wenn dabei die Gesichtsmaske wieder getragen werden muss.

Trotzdem plagen die jungen Leute Ängste: dass es wieder zu einem Lockdown kommt, dass sie sich nur noch mit einem Freund, einer Freundin treffen können, dass sie Wichtiges verpassen, ihre Abschlussfahrt zum Beispiel, oder dass sie in kommenden Schuljahren oder beim Abitur benachteiligt sind, weil wegen Corona nicht alles gelernt oder nicht recht verstanden und geübt werden konnte. Auch hier bemühen sich Schulleitung und Kollegium, Sicherheit zu vermitteln. Besondere Förderangebote in den Kernfächern Mathe, Deutsch und Fremdsprachen sollen helfen, Defizite, die sich vielleicht aus dem vergangenen Jahr wegen des Distanzunterrichts ergeben haben, auszugleichen.

Von der Politik wünschen sich die Schüler klare Ansagen, einheitliche Regelungen, transparente Informationssysteme und ein rechtzeitiges und entschiedenes Handeln, um die Bevölkerung – auch die Schüler und deren Familien - zu schützen, durch Halbierung der Klassen z.B. und wochenweisen Wechsel der Präsenzbeschulung. Einige Schüler haben sich überlegt, wie man ihre Generation einmal nennen wird: AHA- oder Pandemiegeneration, stay-home-generation, Coroneration, isolation oder Distanzgeneration. Die Pandemie beginnt, die Kinder und Jugendlichen zu prägen und zu belasten. Auch das sollte man im Blick behalten – als Eltern, Lehrer und Politiker.