Ganztagsgymnasium St.-Gotthard-Gymnasium im Zeichen der neuen Normalität: „Endlich wieder ein geregelter Ablauf“

Willkommen zurück – aber in einer „neuen Normalität“

„Aufstehen, Stühle unter den Tisch schieben, sich nirgendwo anlehnen, Arme und Beine einmal durchschütteln!“ Sportunterricht in Coronazeiten sieht anders aus. Die Schüler sitzen im Klassenzimmer in entsprechenden Abständen, keine Sportkleidung also, auch keine intensive Bewegung. Die Sportlehrerin Julia Praßer holt ihre 9. Klasse zuerst einmal ab bei den Erfahrungen der langen Wochen nach der Schulschließung. „Was hat dich belastet? Wie geht es dir jetzt? Was hast du vermisst?“ Ja, und natürlich: „Hast du dich bewegt? Wer ist regelmäßig gelaufen? Wer hat regelmäßig ein Workout gemacht?“ Erstaunlich viele. Dann erklärt Julia Praßer ihren Schülern, worauf sie bei einem Workout achten sollen: Es muss immer Agonist und Antagonist trainiert werden, um Einseitigkeit zu vermeiden. Nach Situps z.B. eine Brücke machen, schlagen die Schüler vor. Der Sportunterricht an der Schule findet derzeit als „Sport Theorie“ statt, praktische Übungen ausschließlich kontaktfrei unter Berücksichtigung des Abstandsgebots und ohne körperliche Belastung.

 

Hygienekonzept und Infektionsschutz in Niederalteich, wieder Ganztagsrhythmus – Mittagessen in einer eigenartigen Atmosphäre

Das Team von Schulleiter Johann Lummer hat viel getan, um den Schülern wieder einen geregelten Schulbetrieb zu ermöglichen: In allen Klassenräumen wurden die Zahl der Pulte verringert und auf den geforderten Abstand gestellt. Überall hängen Plakate mit Hinweisen zu Hygiene- und Abstandsregeln. Eingänge und Ausgänge sind markiert, genauso regeln in den Treppenhäusern gelb-schwarze Klebstreifen am Boden die Auf- und Abgänge. Um vor dem Pausenverkauf Andrang zu vermeiden, gibt es Listen, damit die Schüler vorbestellen können. Das Gewünschte wird von einem Schüler oder einer Schülerin für die ganze Klassengruppe abgeholt und im Klassenzimmer verteilt. Mit akribischer Umsetzung der Hygienerichtlinien im Mensabetrieb ist sogar der Ganztag wieder möglich, der das St.-Gotthard-Gymnasium vor allem auszeichnet. Quirin Grimm (9. Klasse) lobt die Maßnahmen, „da sie relativ ausgeklügelt sind und die Ansteckungsrisiken stark verringern.“

 

Unterricht zwischen Präsenzunterricht und Distanzlernen

Auf diese Weise können seit Pfingsten am St.-Gotthard-Gymnasium wieder alle Schüler unterrichtet werden – im wöchentlichen Wechsel. Nur eine Hälfte der Klasse ist jeweils im Präsenzunterricht, für die andere Hälfte gilt das Lernen zuhause im Modus „SGG-Homeschooling“. Das funktioniert gut. Viele Lehrer konzipieren ihren Unterricht mit Zwei-Wochen-Plänen z.B. nach der Methode des „Flipped Classroom“, so dass die Schüler zu Hause ein Thema erarbeiten, das anschließend im Präsenzunterricht vertieft wird. Andere schalten per Videokonferenz die Schüler „zu Hause“ zu ihrem Unterricht in der Klasse live zu. In der Oberstufe, wo große Kurse auf zwei Gruppen aufgeteilt werden müssen, begleiten Lehrer ihren Kurs simultan bzw. synchron in zwei benachbarten Räumen beim Lernprozess. So kann beispielsweise ein Referat oder ein Lehrervortrag in einem Raum live sowie im anderen Raum im Livestream per Video verfolgt werden. Soweit es die Teilnehmerzahl in den Kursen und Klassen angesichts der amtlichen Vorgaben zulässt, wird der Oberstufen-Unterricht in den großen Unterrichtsräumen wie den Kunstsälen, den Turnhallen, der Aula und im Lernatelier in voller Präsenz durchgeführt.

 

Digitales Lehren und Lernen im SGG-Homeschooling

Da das SGG für die Oberstufe von Anfang an und anschließend sehr schnell auch für die anderen Klassen „Microsoft Teams“ als Plattform für den Online-Unterricht nutzen konnte, sind die meisten Schüler gut mit dem „Lernen auf Distanz“ zurechtgekommen. Die Schule verfügte bereits vor der Coronakrise über den zugrunde liegenden FWU-Vertrag mit Microsoft. Sich die Zeit selbst einteilen zu können, mehr am Abend zu arbeiten und dafür am Vormittag auszuschlafen, hat vielen Schülern behagt. „Homeschooling war ein einzigartiges Erlebnis für mich. Es hatte viele schöne Seiten und der einzige negative Aspekt, der mir einfällt, ist, dass man in der Schule mehr im Kopf behalten kann und nicht so abgelenkt ist“, schwärmt Thomas Kraft (7. Klasse).

Trotzdem, auch wenn viele Schüler hochmotiviert waren, zuletzt wurde doch den meisten die Zeit des „Lernen auf Distanz“ zu lang. Der persönliche Austausch mit Lehrern und Mitschülern fehlte: „Oft ist es ja so, dass man durch persönliche Gespräche viel besser verstanden wird, als durch das ‚geschriebene Wort‘. Hier kann viel falsch verstanden bzw. ‚zwischen den Zeilen‘ gelesen werden“, meint Daniel Steinbeißer (7. Klasse). Vielen fiel es auch schwer, den anfänglich guten Willen über so viele Wochen hinweg durchzuhalten. „Am Anfang war es spannend, zuhause zu lernen, doch nach ein paar Wochen fehlt einfach die Motivation“, gibt Leni Weber (7. Klasse) zu. Und Magdalena Wildfeuer (7. Klasse) gesteht: „Ich hab mich letzten Sonntagabend gefreut, endlich wieder meine Freunde zu sehen und in die Schule gehen zu dürfen, auch wenn ich nur die Hälfte der Klasse sehe. Schlussendlich ist zwar der Onlineunterricht eine neue und coole Erfahrung gewesen, bzw. ist er immer noch, aber die Schule zu besuchen, ist mir auf Dauer immer noch lieber.“ Selbst Christoph Gerstl (7. Klasse), der als Computerexperte mit Vorliebe für spätes Arbeiten das Lernen zuhause genießt, erklärt: „Man muss beim Homeschooling sehr diszipliniert sein, dass man sein Zeug erledigt, man kann das schon lang schieben. Da hat der Präsenzunterricht den Vorteil: Man ist jetzt in der Schule, man muss jetzt das machen, man hat jetzt Freiarbeit, und jetzt mach ich in der Freiarbeit z.B. Mathe, weil ich davor Mathe hatte. Das ist der Vorteil vom Präsenzunterricht, weil man einfach wieder einen geregelten Ablauf hat.“

 

Musische und Kulturelle Schulkultur – liebgewonnene Begegnungsmöglichkeiten werden schmerzlich vermisst

Und trotzdem ist alles noch weit entfernt von Normalität. Das Essen an Einzeltischen ist schon sehr speziell. Und es ist viel zu ruhig und zu wenig lebendig für eine Schule, wo ständig etwas oder jemand in Bewegung ist, wo um diese Zeit sonst am Sportplatz rege Leichtathletikdisziplinen trainiert würden, wo sonst immer irgendwo Klassen zwischen Fachräumen unterwegs wären, wo man von draußen Chören oder der Bigband beim Proben zuhören könnte. In einem normalen Schuljahr würden um diese Zeit die Klassen ausschwärmen zu Exkursionen und Wandertagen, fänden Projekttage, Konzerte und Theateraufführungen statt.

Sehr schmerzlich werden die zahlreichen kulturellen Veranstaltungen wie die Konzerte mit musikalischen Aufführungen vermisst. Gerade im Juli 2020 wäre zum Abschluss des Schuljahres ein Musikfestival mit einem Vorspielnachmittag sowie dem traditionellen Summernight Swing der SGG-Bigband geplant gewesen – ein großes Fest der Musik, der Kultur, der Begegnung mit hunderten Schülerinnen und Schülern als Musizierenden und deren Freunde, Eltern und Verwandte als Zuhörer.

Das, was die Schule zu einem besonderen Lebensraum für junge Menschen macht, was Kreativität, soziale Verantwortung und Persönlichkeit bildet, fehlt in Coronazeiten. Letztlich ist auch der Präsenzunterricht gegenwärtig irgendwie ein „Lernen auf Distanz“, während junge Menschen eigentlich Nähe suchen und brauchen.

 

Es läutet zum Stundenwechsel. „Zusammenpacken, etwas trinken, Maske auf!“ Nach sportlicher Theorie geht Julia Praßer in der zweiten Stunde Sport mit ihrer Klassen nach draußen, zur Fährenanlegestelle an der Donau. Was ist schon normal in Zeiten von Corona …

Statements von Schülerinnen und Schülern zum "Lernen zuhause" und zur Wiederöffnung nach der Corona-Pause

Fotos: Aktivphase "Mit dem Smartphone durch das Schuljahr" - Jgst. 7 und 8

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