Das Niederaltaicher Ganztagsschulmodell

1. Gebundene Ganztagsschule

Schon seit 1968 wird das St.-Gotthard-Gymnasiumals gebundene Ganztagsschule geführt. Mit fast 600 Schülerinnen und Schülern in den Jahrgangsstufen 5 bis 10 ist es das größte Ganztagsgymnasium in Bayern und das einzige dieser Art in Niederbayern.

Während sich an den offenen Ganztagsschulen der Unterricht nur auf den Vormittag konzentriert und am Nachmittag ein Zusatzprogramm angeboten wird, ist das Hauptmerkmal des Niederaltaicher Modells, dass sich Lern- und Übungsphasen sowie Zeiten der Entspannung abwechseln und über den ganzen Tag verteilt sind. Ein Fixpunkt ist das gemeinsame Mittagessen in den Speisesälen bzw. in der Mensa. Das komplette rhythmisierte Tagesprogramm ist für alle Schüler verpflichtend. Die Betreuung ist auf das jeweilige Alter zugeschnitten.

2. Arbeiten und Üben

In den Freiarbeitsphasen, die fest in den Tagesablauf integriert sind, werden die Schüler der Jahrgangsstufen 5 – 8 von Lehrkräften im Klassenverband betreut. Sie bestimmen hier eigenverantwortlich über die Erledigung schriftlicher oder mündlicher Hausaufgaben oder sie bereiten sich längerfristig auf Schulaufgaben vor. Außerdem arbeiten sie in dieser Zeit für Projekte. Dafür wird ihnen zusätzliches Übungsmaterial zur Verfügung gestellt, mit dem sie allein oder im Team arbeiten können. Bei Problemen kann jeder Schüler Hilfen durch die Lehrkraft oder durch Mitschüler erhalten.

In den Kernfächern sind Übungsphasen eingerichtet. Dadurch entstehen 90-Minuten-Einheiten, in denen die Lehrkraft sehr flexibel zwischen Stoffvermittlung und Training abwechseln kann. Dabei beobachtet die Lehrkraft den Lernfortschritt der Schüler und wird fördernd tätig.

Im Rahmen des G 8 wurde die Möglichkeit eröffnet, so genannte Intensivierungsstunden einzuplanen. Sie dienen der zusätzlichen Einübung des Stoffes und sind somit einer der großen Vorteile des G 8. Im Zeitraster der Ganztagsschule konnte das St.-Gotthard-Gymnasium diese Intensivierungsstunden gut in die Stundenpläne integrieren, sodass sie in allen Jahrgangsstufen stattfinden.

Von den Schülerinnen und Schülern der 9. und 10. Klassen, die an der Schwelle zur Oberstufe stehen, muss man eine größere Selbstständigkeit und ein höheres Verantwortungsbewusstsein erwarten. Zwar wurde ihr Tagesablauf im Prinzip beibehalten. Die Freiarbeitsphasen wurden aber entscheidend verändert: Sie wurden nämlich im Stundenplan für die komplette Jahrgangsstufe 9 bzw. 10 parallel gelegt, sodass der einzelne Schüler immer drei Möglichkeiten hat:

  • Arbeit im Fachraum: Dort wird in Mathematik und in den Fremdsprachen eine professionelle Hilfe durch Fachlehrer geboten.
  • Arbeit im Silentiumraum: Unter Aufsicht eines Lehrers lernt der Schüler ungestört für sich allein.
  • Arbeit im Methodenraum: Hier ist gemeinsames Lernen mit Mitschülern möglich.

3. Freizeit

In den 5. und 6. Jahrgangsstufen wählen die Schülerinnen und Schüler in der Mittagsfreizeit Neigungsgruppen. Dabei legen sie sich jeweils für ein halbes Jahr fest. Das Angebot umfasst die Bereiche Sport / Bewegung, Kreativität / Musisches, Spannung / Spaß sowie Lesen und Entspannung.

Für die 7. und 8. Jahrgangsstufen sind Aktivphasen vorgesehen. Hier geht es nicht nur, wie in den Neigungsgruppen, um die Freizeitgestaltung; vielmehr sollen sich die Schülerinnen und Schüler aktiv und kreativ einbringen. Daher sind diese Gruppen vor allem im musisch-künstlerischen Bereich angesiedelt.

Eine weitere Besonderheit in den 9. und 10. Jahrgangsstufen ist der Wahlunterricht. Ausgehend von den Wünschen der Schülerinnen und Schüler wird jedes Jahr ein Angebot erstellt, das neben dem Internationalen EDV-Führerschein die Bereiche Sprachen, Kunst, Musik und Sport abdeckt. Allerdings können die Schülerinnen und Schüler auch zusätzliche Freiarbeitsstunden wählen und Hausaufgaben machen.

4. Mittagessen

Viele Schulen haben große Probleme, sinnvolle Lösungen in Bezug auf das Mittagessen zu finden. Das St.-Gotthard-Gymnasium ist im Gegensatz dazu in der glücklichen Lage, den Schülerinnen und Schülern ein gesundes und ausgewogenes Mittagessen anbieten zu können, das vor Ort in der Klosterküche täglich frisch und professionell zubereitet wird. In Zusammenarbeit mit Frau Rothbächer, Diplom-Ökotrophologin und zuständig für die Beratung der bayerischen Schulen in Fragen der Schulverpflegung, sowie mit Frau Semmler vom bayerischen Landwirtschaftsministerium wurde das Essensangebot in den letzten Jahren weiter optimiert. Neben der Erweiterung des Angebots steht immer mehr die gesunde Ernährung im Mittelpunkt.

Unter der Aufsicht von Lehrern nehmen die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 und 6 das Mittagessen in der 6. bzw. 7. Stunde im Klassenverband in den Speisesälen ein. Für die Jahrgangsstufen 7 bis 10 ist ein Mensabetrieb eingerichtet. Diese Schüler entscheiden innerhalb eines bestimmten Zeitkorridors selbst, wann sie essen, und sie können zwischen verschiedenen Gerichten wählen.

5. Methodenräume

Die Effektivität des Lernens und Arbeitens am St.-Gotthard-Gymnasium konnte mit der Renovierung und Erweiterung des Gebäudes wesentlich gesteigert werden, da ein neues Raumkonzept realisiert wurde, das ideale Bedingungen für einen modernen Unterricht und besonders auch für die Freiarbeitsstunden bietet. Für eine Klasse stehen nun zwei Räume zur Verfügung. Sie sind durch eine Glasfront getrennt, sodass unter der Aufsicht eines Lehrers in einem Raum Stillarbeit durchgeführt werden kann, während im Methodenraum Partner- und Gruppenarbeit möglich ist. Diese Differenzierung innerhalb der Klasse eröffnet die Chance zur gezielteren Förderung des einzelnen Schülers.

Aus dieser knappen Darstellung des Niederaltaicher Ganztagsschulmodells wird ersichtlich, dass hier alle Voraussetzungen für eine intensive und altersgerechte Betreuung gegeben sind. Ab der 5. Jahrgangsstufe hilft es, zunächst mit den Schwierigkeiten beim Übertritt von der Grundschule und in den späteren Jahren mit den Anforderungen des bayerischen Gymnasiums zurechtzukommen. In der Mittelstufe sorgen dann der vorgegebene Rahmen und die festen Regeln der Ganztagsschule für die Strukturen, die in den Jahren der Pubertät, in der Zeit der Loslösung vom Elternhaus, besonders wichtig sind. So wird der Grundstein für eine erfolgreiche Bewältigung der Oberstufe des G 8 gelegt.

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