Chor des Oriel-College Oxford in Niederalteich

Die Chöre der englischen Universitäten genießen einen exzellenten Ruf. Ein klangvolles Zeugnis ihrer besonderen Vokalkultur gab am Donnerstagabend, 28.06.2018, der Chor des Oriel-College aus Oxford unter der Leitung von David Maw in der Oberkirche der Basilika Niederalteich. Der Auftritt fand im Rahmen einer Tournee durch Süddeutschland statt, die der ehemalige Schüler des St.-Gotthard-Gymnasiums und derzeitiger Oxfordstudent Lukas Beck organisierte.

Zweimal wöchentlich gestaltet das Ensemble, das aus Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen besteht, in der Kapelle des College einen Eveningservice. Dementsprechend sicher und routiniert agierten die jungen Sängerinnen und Sänger unter dem uneitlen Dirigat ihres Leiters. Er führte die Gruppe zu klangprächtigen Steigerungen, die die festliche Halle der Oberkirche ausfüllten. In den atmosphärisch angelegten Stücken von Britten und Stanford entfaltete sich ein mannigfaltiges und farbiges Spiel dynamischer Differenzierung. Rhythmisch markant erklangen Sätze der Renaissancekomponisten Orlando di Lasso und Peter Philips. Alle Register der Ausdruckskraft zog Maw dann im Chorklassiker „Bogoroditse djevo“ von Rachmaninow mit immer frei und natürlich klingenden Stimmen in den extremen Lagen, die das Werk aufweist.

Zwischen den Chorblöcken trug der Chorleiter, der auch als Orgelexperte und musikwissenschaftliche Koryphäe für mittelalterliche Musik gilt, Werke von Camille Saint-Saëns auf der Basilikaorgel vor. Die filigrane Verspieltheit der Stücke schloss nahtlos an das Solistenensemble an, das Arcadelts Madrigal „Quand io penso al morire“ in feiner stimmlicher Balancierung zu Gehör brachte. Übersetzt heißt der Text „Wenn ich an das Sterben denke“, und mancher Konzertbesucher mag dabei seine Trauer über den frühen WM-Ausstieg verarbeitet haben. Das „Hail gladding light“ führte am Ende dann wieder hinaus ins strahlende, triumphale Licht der Erlösung und beschloss ein beseeltes Abendlob.

 

Oxford 2018

 

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