Italienische Komödie am St.-Gotthard-Gymnasium Niederalteich zaubert Zuschauern ein Lächeln aufs Gesicht

Für heitere Theaterabende sorgte das Ensemble „Wahlunterricht Theater 9/10“ des St.-Gotthard-Gymnasiums am 4. und 5. Mai 2018 mit ihrer Interpretation von Goldonis Komödie „Der Fächer“.

Italienische Schlagermusik aus den 50gern in Vinylakkustik, ein Kellner bereitet die Tische vor der Cafeteria vor, der Wirt einer Osteria schreibt an der Tageskarte … Gleich der pantomimische Auftakt versetzte die Zuschauer in die unbeschwerte Morgenstimmung auf einer italienischen Piazza. Diese füllte sich mehr und mehr: Ein Schuhmacher setzt sich zur Arbeit vor den Laden, ebenso eine Apothekerin, eine Modistin breitet ihre Auslage aus. Eine mürrische Bauersfrau weist unwirsch ihrer jüngeren Schwester eine Arbeit an, ein Zimmermädchen säubert die Fassade einer Villa, auf deren Balkon zwei vornehme Damen sich mit ihren Handarbeiten niederlassen. Und schon breitete sich ein buntes Treiben aus, so dass der Zuschauer gar nicht mehr wusste, wohin er zuerst blicken sollte.

Der Schuster und das Bauernmädchen tauschen Handküsse und –herzen, während ihre ältere, hässliche Schwester mit dem dicken Wirt irgendeinen mündlichen Handel abschließt, gestört vom heftigen Flirt zwischen Kellner und Zimmermädchen. Zwei Herren im Reiterdress nehmen in der Cafeteria Platz, von denen der jüngere glühende Blicke mit der jungen Dame auf dem Balkon tauscht. Nichts davon entgeht den Argusaugen der Modistin, die sich sofort mit der Apothekerin darüber austauscht. Und dann ist da noch eine ältere Dame (Jenny Stöter), deren vornehmer Adel sichtlich Patina angelegt hat, und die von niemandem wirklich ernstgenommen überall nur zu stören scheint.

So führte das lebhafte, drei minütige pantomimische Vorspiel mitten in die Handlung hinein, die sich dann um einen Fächer verwickelte, der von der vornehmen Schönen (Elena Holz) auf dem Balkon fallengelassen worden und dadurch zerbrochen war. Ihr glühender Verehrer Evaristo (Philip Absolon) will ihr den Verlust ersetzen und kauft bei der Modistin (Hannah Drasch) einen neuen Fächer. Es fehlt ihm aber der Mut, diesen seiner angebeteten Candida direkt zu überreichen und so steckt er ihn zunächst dem Bauernmädchen Giannina (Marlene Welly) zu, was aber von ihren beiden Verehrern, dem Schuster Crespino (Jakob Till) und dem Wirt Coronato (Julian Pylipp) ebenso wie von der eifersüchtigen Candida bemerkt wird. Während Wirt und Schuster zusammen mit Moracchia (Magdalena Bräu), der ruppigen Schwester Gianninas, um den Fächer ringen, kehrt Candida enttäuscht ihrem Verehrer Evaristo den Rücken und geht auf die Werbung des Barons di Roccamonte (David Busch) ein.
Selbstverständlich können am Ende unter der besonnenen Moderation der Signora Geltruda (Verena Streibl), Candidas Tante, alle Komplikationen entwirrt, die Missverständnisse bereinigt und zwei glückliche Paare vereint werden.

So endete das Stück wie es begann mit einer pantomimischen Darstellung des abendlichen Versöhnungsfestes, allerdings so gelungen, dass die Zuschauer noch einmal auf den Höhepunkt ihres Lachens getrieben und zu anhaltendem Dauerapplaus motiviert wurden. Während alle den beiden glücklichen Paaren gratulieren und Streitende sich versöhnen, knüpft der Baron zarte Bande zur Tante seiner verflossenen Braut, und die mürrische Moracchia wird mit dem beleidigten Wirt verkuppelt, der sie dann im Sturm erobert.

Dem Ensemble ist eine überzeugende Interpretation dieser Komödie von 1763 gelungen, die so überraschend frisch und lebendig daherkam, die an beiden Abenden voll besetzte Neue Aula des St.-Gotthard-Gymnasiums mit viel Gelächter erfüllte und den Zuschauern, wie eine junge Dame bestätigte, ein Lächeln aufs Gesicht zauberte.

Dazu trugen die stimmungsvoll und liebevoll gestaltete Bühne ebenso bei wie die humorvolle Inszenierung, vor allem aber die schauspielerisch wirklich überzeugenden Leistungen der jungen Spieler. So beeindruckte Jenny Stöter absolut textsicher und vollkommen präsent in ihrer Rolle als abgetakelte und allgegenwärtige Contessa ebenso wie Magdalena Bräu in ihrer fast ausschließlich pantomimischen Rolle der Moracchia. Jede und jeder ging völlig in der jeweiligen Figur auf und setzte so eindrucksvolle Akzente auch in kleineren Rollen wie z.B. in der der Apothekerin Timotea (Eva Thaller) oder auch des Kellners (Anastasia Reiter) und des Zimmermädchens (Naomi Hielscher).

Der Stolz über die gelungenen Aufführungen war auch den Spielern anzusehen, die sich schon auf ihre nächsten Projekte freuen.

 

Coronato mit FassFaecher am Ziel

FeierGeltruda Contessa

GianninaNachspiel

Susanna und CandidaVorspiel

 

 

 

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