Gelungener Kammerspielabend am St.-Gotthard-Gymnasium Niederalteich

Ein jeweils bis auf den letzten Platz gefüllter Theatersaal und anhaltender Beifall des begeisterten Publikums belohnte die jungen Darsteller des Wahlkurses Theater 9/10 für ihren großen Einsatz, mit dem sie den bekannten Komödienklassiker von Molière, „Der eingebildete Kranke“, auf die Schulbühne des St.-Gotthard-Gymnasiums brachten.

Die Handlung des Stücks ist einfach gestrickt, und unter Verwendung klassischer Komödiencharaktere hat Molière mit seinem „eingebildeten Kranken“ doch ein zeitloses Werk geschaffen, das mit seinem kritisch-ironischen Blick auf das Verhältnis von Patient und Arzt bzw. Pharmazie heute nicht weniger aktuell ist als bei seiner Uraufführung im Jahr 1673:
Der reiche Argan (Jakob Till) ist sowohl den Reizen seiner zweiten Ehefrau Béline (Lena Liebl) als auch seinen Ärzten und Apothekern (dargestellt von Philip Absolon, Anja Eters und Emilia Wagner) heillos verfallen. Aus Angst vor geheimnisvollen und schrecklichen Krankheiten, unter denen er leiden könnte, verlangt Argan geradezu leidenschaftlich nach deren wahllos verordneten Klistieren, Einläufen, Heiltränken und Aderlässen. Da er dazu aber auch pragmatisch und ökonomisch denkt, hat er die Absicht, seine ältere Tochter Angélique (Magdalena Bräu) mit einem ehrgeizigen und frisch graduierten Mediziner (David Busch gab den auserwählten Bräutigam Thomas Diafoirus, Elena Rainer seine Mutter Madame Diafoirus) zu verheiraten, dem außerdem einmal ein beträchtliches Erbe winkt. Dagegen hat seine Frau Béline ganz andere Pläne mit ihren beiden Stieftöchtern (Tamara Götz stellte die jüngere Tochter Louison dar), die von ihr wahrhaft stiefmütterlich behandelt werden. Sie möchte beide in ein Kloster stecken, um allein das Erbe des reichen Argan genießen zu können. Zusammen mit dem Notar Bonnefoy (Laura Glockner) sucht sie nach Schleichwegen, beide Töchter von dem Erbe auszuschließen und selbst schon zu Lebzeiten ihres Mannes an dessen Geld zu kommen. Allerdings hat sich Angélique beim Besuch einer Komödie in Cléante (Julian Pylipp) verliebt, der sich als angeblicher Gesangslehrer Zutritt ins Haus Argans verschafft, wo er um seine Geliebte kämpfen will. Die beiden setzen ihre Hoffnung auf das freche und findige Dienstmädchen Toinette (Jenny Stöter). Diese nimmt nun – unterstützt von Argans Schwester (der Bruder Béralde wurde in der Schüleraufführung von Anika Wiesmann durch eine Schwester ersetzt) ihrerseits den „eingebildeten Kranken“ gründlich in die Kur, um ihn gleichzeitig von seiner Verfallenheit an Arzt und Apotheker und von seiner Hörigkeit gegenüber seiner Frau zu heilen. Molière lässt das Dienstmädchen selbst einen furchterregenden Arzt spielen, dem es gelingt, das Vertrauen Argans zu gewinnen, wodurch alle anderen Ärzte als ebensolche Scharlatane entlarvt werden sollten. In der Aufführung des Niederalteicher Theaterkurses wurde der medizinische Hochstapler von Nadine List eindrucksvoll gemimt. Erfolgreicher ist der zweite Coup der Toinette, mit welchem sie Argan zeigt, wer ihn in der Familie wahrhaft liebt. Sie überredet ihn, sich tot zu stellen. Während bei der Nachricht von Argans Ableben seine Ehefrau erfreut sofort über das Ersparte herfallen will, ist seine Tochter Angélique untröstlich und will aus Trauer fortan sogar auf ihre Liebe zu Cléante verzichten. Nachdem ihm so die Augen geöffnet wurden, verstößt Argan seine Frau und erlaubt dem jungen Liebespaar die Heirat unter der Bedingung, dass Cléante Medizin studiert. Da der Hypochonder sich also in dieser Hinsicht als unheilbar erweist, schlägt seine Schwester zum Schluss vor, er möge sich doch selbst in einer privaten Zeremonie in die Ärzteschaft einreihen lassen.

Mit diesem Lustspiel hatten die jungen Darsteller des St.-Gotthard-Gymnasiums, denen die Lust am Spiel zu jederzeit anzumerken war, eine gute Wahl getroffen. So fand sich an beiden Abenden ein zahlreiches Publikum ein, darunter auch etliche Mitschüler aus verschiedenen Jahrgangsstufen, Ehemalige und viele andere Gäste. Diese kamen dann auch voll und ganz auf ihre Rechnung. Molières geistreicher Wortwitz und subtiler Humor und die vom Ensemble bei seiner Umsetzung geschickt platzierten Gags provozierten viel Gelächter. Hinter der frisch fröhlichen Darstellung war der Schalk des Schülerensembles und ihrer Regie führenden Kursleiterin, Sr. M. Gratia Rotter, für die Zuschauer spürbar. Dazu kam, dass die Charaktere auf die jeweiligen Darsteller geradezu maßgeschneidert wirkten. Jakob Till in der Rolle des „eingebildeten Kranken“ verstand es herrlich, den in seinem autoritären Gehabe vollständig scheiternden Hausvorstand darzustellen, der letztlich nur eine „komische Rolle“ spielt, wie er selber feststellt. Magdalena Bräu verzauberte als Angélique mit ihrem einfühlsamen und feinen Spiel das Publikum und Jenny Stöter zeigte sich in der Rolle der Toinette witzig und frech als eine authentische Darstellerin. Auch alle anderen jungen Schauspieler warfen sich mit Hingabe in ihre Rolle und konnten ihren Figuren in eindrucksvoller Weise gerecht werden.

Molière hatte dieses Stück als eine Ballettkomödie konzipiert mit Instrumental- und Tanzeinlagen. In Anlehnung daran umrahmte eine weitere Schülergruppe des Niederalteicher Gymnasiums, das Instrumentalensemble der Aktivphase der 7. Klasse, die Aufführungen musikalisch mit Renaissancetänzen von Tilman Susato (1510-1570). Als Schlussstück gab diese Gruppe unter der Leitung von Bernhard Falk sogar ein eigenes Werk, „Amore“, zum Besten.

Alles in allem konnte man am 5. und 6. Mai am St.-Gotthard-Gymnasium Niederalteich wieder einen genussvollen Theaterabend mit beeindruckenden Schülerleistungen erleben.

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Bild links: Jakob Till (9c) als der Hypochonder Argan und Jenny Stöter (9a) als gewitztes Dienstmädchen Toinette.
Bild rechts: Argan (Jakob Till, 9c) – neben ihm seine Frau Béline (Lena Liebl 10c) – will seine Tochter Angélique (Magdalena Bräu, 9a) mit dem ebenso ehrgeizigen wie stupiden Mediziner Thomas Diafoirus (David Busch, 9a) verheiraten. Daneben dessen Mutter Madame Diafoirus (Elena Rainer, 10d) und Toinette (Jenny Stöter, 9a).

 

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Das gesamte Ensemble beim Applaus für die Instrumentalgruppe der 7. Klasse.

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